Eine verteilte Infrastruktur für europäische Medien

DisplayEurope.eu in neuer Erscheinung

[zuerst veröffentlicht in gekürzter Form auf Netzpolitik.org, 07.07.2024]

Die Europawahlen mussten erneut ohne eine europäische Öffentlichkeit auskommen. Abhilfe schaffen will DisplayEurope.eu. Das Portal zeigt seit Anfang des Jahres, wie eine dezentrale mediale Informationsversorgung aussehen kann.Vor allem aber ist es der Beginn einer verteilten Infrastruktur, über die vor allem Community-Medien ihre Inhalte austauschen können – eine Art Eurovision, nur in frei. Sławek Blich, der neue Leiter des redaktionelle Produktteams, bezeichnet Display als „erste KI-gestützte paneuropäische Nachrichtenplattform für das Kuratieren, Übersetzen, Entdecken und Empfehlen von europäischem Journalismus aus dem gesamten Kontinent. Als Teil des gemeinsamen europäischen Datenraums für Medien ist es außerdem die Speerspitze für die Freiheit von Inhalten und Software.

Auf der PublicSpaces Konferenz Anfang Juni in Amsterdam hat Direktor Alexander Baratsits über die neuesten Entwicklungen bei Display Europe berichtet. Dort hatte ich Gelegenheit, ausführlich mit ihm zu sprechen. Am vergangenen Donnerstag ist die Website einem Relaunch unterzogen worden.

v.l.n.r.: Wouter Tebbens (PublicSpaces), Lucille Verbaere (European Broadcasting Union), Alexander Baratsits (Display Europe), Menno Weijs (European Cultural Foundation) Panel “A Sovereign Media Dataspace in Europe” auf der PublicSpaces Konferenz, 10.06.2024, Amsterdam.

 

Warum braucht es DisplayEurope.eu?

Dafür gab es mehrere Ansätze, erläutert der Medienaktivist, Jurist und netzpolitische Aktivist Baratsits. Mit Public Open Space und SDEPS (Shared Digital European Public Sphere) gab es bereits Initiativen, die sich für eine unabhängige Medieninfrastruktur in Europa einsetzten. Die Dominanz der Megaplattformen führe zu Desinformation, Hass und Verschwörungserzählungen, so die Analyse. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk hat eine Tradition von auf öffentlichen Werten beruhenden, nicht profitorientierte Medien etabliert. Das brauche es auch im Internet.

Ein weiterer Ansatz kommt aus dem Journalismus und geht von der Beobachtung aus, dass zwar die politische Integration in Europa immer weiter voran schreitet, es jedoch einen Mangel an pan-europäischen öffentlichen Räumen und Debatte gebe. Daraus ergibt sich ein dritter Ansatz, der nach Wegen zur Überwindung der Sprachbarriere sucht. Die wurde im Übrigen auch von der EU-Ausschreibung für europäische Medienplattformen im Sommer 2022 gefordert, die letztlich den Anstoß zur Gründung von Display gab.

„Entsprechend waren unterschiedliche Akteure beteiligt,“ so Baratsits. „Welche, die vor allem an der pan-europäischen, grenzüberschreitenden Journalismus-Idee interessiert waren. Welche, die stärker einen technologischen Ansatz haben und eine Gruppe aus dem medienwissenschaftlichen Diskurs, die sagten: ‘Wir wollen nicht nur drüber reden, dass was getan werden sollte, sondern mit Display ein Beispiel liefern, wie ein wertegestützte, souveräne Infrastruktur ausschauen könnte.’“

Vom Cultural Broadcasting Archive (CBA) zum European Cultural Backbone

Eine tragende Säule von Display ist CBA, das Cultural Broadcasting Archive. Die schon 1999 in Wien gestartete Plattform sammelt die Sendung von Freien Radios und anderen Community-Medien und stellt sie on-demand bereit. CBA ist Infrastruktur und Dienstleister, der für Radiostationen Hosting, Software-Entwicklungen und Implementierungen versorgt und dafür bezahlt wird.

Baratsits fühlt sich an diese Zeit erinnert, als Streaming aufkam und er mit anderen CBA gegründet hat. Heute herrsche eine ähnliche Aufbruchstimmung. „Es gehen jetzt plötzlich Sachen, die wir lange nur abstrakt analysiert haben. Das ist super spannend.“

CBA und Baratsits waren Teil der europäischen Initiativen Public Open Space und SDEPS, die sich für umfassende dezentrale Mediennetze einsetzten. CBAs Plan für eine Föderierung von bestehenden Medienplattformen ist der European Cultural Backbone. 2020 setzte die European Cultural Foundation (ECF) einen Culture of Solidarity Fund auf. CBA erhielt den Zuschlag für einen Proof-of-Concept des European Backbones. Bei einem der Treffen in Brüssel lernte Baratsits Matthias Pfeffer kennen, der gerade den Council for European Public Space gründete, der Display bis heute begleitet.

Die ECF lud das CBA ein, sich an der Antragstellung für die EU-Plattform-Ausschreibung zu beteiligen. Baratsits gab einen Sammelband zum Thema heraus. (Alexander Baratsits (Hrsg.), Building a European Digital Public Space. Strategies for taking back control from Big Tech platforms, iRights.Media, Berlin 2021). Darin griff er den Vorschlag der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften (acatech) für eine europäische digitale Öffentlichkeit (Henning Kagermann, Ulrich Wilhelm (Hrsg.), European Public Sphere. Gestaltung der digitalen Souveränität Europas, (acatech IMPULS), München 2020) auf und setzte ihm ein Modell aus zivilgesellschaftlicher Sicht entgegen.

Nach der Präsentation des Buchs in Brüssel folgte ein Hackathon (Building a European Cultural Backbone. Federation of Civil Society Media Infrastructrures, Linz, 23.-28.05.2022). Hier waren sowohl die technischen wie die politischen Fragen des Projekts Thema. Der erste Teil des Netzwerks bildete sich und das Konzept wurde diskutiert, mit dem sich das Konsortium um die ECF schließlich auf die EU-Plattform-Ausschreibung bewarb.

Bei den früheren Ausschreibungen in dieser Förderlinie hatte die European Broadcasting Union (EBU), Arte oder ein Zusammenschluss von Nachrichtenagenturen den Zuschlag bekommen. Als im Frühjahr 2023 der Auftrag erstmals an ein Konsortium aus der Zivilgesellschaft ging, konnten die Aktiven hinter Display es anfangs gar nicht fassen.

Die erste Phase von Juli 2023 bis Juni 2024 hatte zum Ziel, einen Demonstrator mit Inhalten in jeweils15 europäischen Sprachen aufzubauen. Die zweite einjährige Förderphase, wieder in Höhe von 2,5 Millionen Euro, schließt unmittelbar an und beginnt mit dem Relaunch vom vergangenen Donnerstag.

Clash of Cultures: Ein journalistisches Portal oder eine technische Infrastruktur?

Diese Frage zieht sich durch das gesamte Projekt. Tatsächlich geht die Diskussion zwischen Techies und Journos zurück bis auf die Anfänge. Es waren die Techies, die das Cultural Broadcasting Archive als für sie logische Antwort auf eine drängende Frage entwickelt haben. Deutschsprachige Community-Radios haben schon lange Beiträge von einander gesendet, die sie sich auf Kassette oder CD zuschickten. Das geht online schneller und besser. Das CBA als Online-Sendeaustauschplattform für freie Radios startete mit einem ersten Prototyp 1999 und wurde 2000 als eine der ersten On-Demand Plattformen Österreichs gelauncht (CBA: Unsere Geschichte).

Doch von denjenigen, für die sie den On-Demand Server hingestellt haben, von den Radios, sei das die längste Zeit belächelt worden, erinnert sich Baratsits, der Gründungspräsident von CBA ist, Mitbegründer und erster Geschäftsführer von Radio FRO in Linz sowie von 1996 bis 2001 Vorsitzender des Verbands Freier Radios Österreich.

„Damals als wir das Cultural Broadcasting Archive gelauncht haben, hat es das Wort ‘Podcasting’ noch nicht gegeben. Und auch die Kulturtechnik, dass eine Sendung hochgeladen wird, so dass man sie zeitversetzt hören kann, das hat es alles noch nicht gegeben. Es hat sehr lange gedauert, bis die [Radios] begriffen haben, was das für ein Potenzial hat. Dann wollten sie sich das unter den Nagel reißen.“

Der Streit führte zur Gründung des CBA-Vereins und der vertraglichen Regelung seiner Dienstleistungen für die Radios.

Doch das Spannungsverhältnis beschäftigt Display bis heute. Ist das Portal das Hauptprodukt oder ist es die Vernetzung, der Data Space, die Infrastruktur? Laut Baratsits ist es beides. Wo der Fokus gesehen wird, hänge von der jeweiligen Perspektive der Beteiligten ab. Was bleibt, wenn die EU-Förderung ausläuft? Der für Display entwickelte und freilizenzierte Technik-Stack steht weiter für alle zur Verfügung. Der ist bereits in CBA integriert, kann also, selbst wenn das Portal Display Europe verschwinden sollte, seinen Nutzen für die journalistisch-redaktionelle Praxis weiter entfalten.

Technologie: frei, offen und dezentral

Wichtigste Anforderung der EU-Ausschreibung war, dass alle Inhalte in 15 Sprachen ausgespielt werden. Nicht gefordert war eine Enduser-Plattform. Dass das Display-Konsortium sie vorgesehen hat, hält Baratsits für einen strategischen Vorteil, da alle anderen Einreichungen Business-to-Business-Strukturen planten. Tatsächlich zielt auch Display auf eine Infrastruktur für den Datenaustausch unter Medienanbietern. Das Portal ist lediglich ein Beispiel wie der pan-europäische Datenreichtum für das Publikum präsentiert werden kann. Neben Display soll es weitere Portale geben, die ihre eigenen inhaltlichen oder praktischen Schwerpunkte setzen.

Auch Video-Beiträge waren von der EU nicht ausdrücklich gefordert. Die Analyse des Konsortiums ergab jedoch, dass in der aktuellen Medienrezeption Bewegtbild vorherrscht. Es nahm die Herausforderung an, auch wenn Videoproduktion am teuersten ist und viele der zivilgesellschaftlichen Medienpartner nicht dafür aufgestellt waren. Für diese Schritte ins Neuland wurde ein relativ großer Teil der Fördermittel aufgewendet, mit ganz guten Ergebnissen, wie Baratsits zufrieden feststellt.

Ein dritter Faktor für den Erfolg des Antrags war, dass sämtliche Technologien als Open Source zur Verfügung gestellt werden. Unter Copleft heißt es auf der Site, dass alle originäre für Display Europe erstellten Inhalte unter CC – BY veröffentlicht werden. Und zur Technologie:

Unser Tech Stack ist komplett auf Open Source Frameworks und Tools wie Kubernetes, Minio, Matomo, WordPress, PeerTube, Mastodon, Keycloak und viele mehr aufgebaut. Die Software, die wir entwickeln, ist unter den Open Source Lizenzen GPLv3 oder AGPLv3 veröffentlicht. Unsere Code-Repositories finden Sie unter git.fairkom.net. Wir verwenden ActivityPub als De-facto-Standard für interaktive Medien und setzen ihn für die WordPress-Syndizierung, den PeerTube-Verbund und Mastodon Distributed Social Media ein.“ (Display: Copleft).

KI-Sprachwerkzeuge und sprachunabhängige Suche

Im Vorfeld gab es Gespräche mit der EBU, die bereits Sprachwerkzeuge und ein Empfehlungssystem entwickelt hat. Eine Nutzung durch Display kam jedoch nicht zustande, da die EBU eine proprietäre Vermarktung plant. Tatsächlich verwendet die EBU kein eigenes Sprachmodell, sondern die von DeepL, Google oder Amazon. Was sie entwickelt haben, ist der Workflow für Übersetzungen mit einem Editor für Korrekturen, der Wahrung derTime-Codes für die Untertitel in der Zielsprache usw.

Also hat sich das Display-Team verschiedene Übersetzungssysteme wie Google Translate, Amazon Translate, Microsoft Bing, Whisper und DeepL angesehen. Während die anderen zunächst statistische Verfahren verwendeten, setzte DeepL von Beginn an auf ein neuronales Netzwerk. In jedem Fall hängt die Qualität vom zugrunde liegenden Korpus menschlicher Übersetzungen ab. Das in Köln beheimatete DeepL ist aus Linguee hervorgegangen, einem Wörterbuch, das seit 2009 angeboten wird und auf Milliarden von menschlichen Übersetzungen im Web aufsitzt, vor allem der EU, die alle offiziellen Dokumente in 24 Amtssprachen übersetzt. Linguee zeigt das gesuchte Wort im Kontext der gefundenen Quellen und dient als Grundlage, um das LLM (Large Language Model) des 2017 gegründeten DeepL zu trainieren. Mit großem Erfolg dank gewaltiger Datenbestände und der Rechenkraft eines der schnellsten Supercomputer-Cluster der Welt. Nach der aktuellen Finanzierungsrunde ist der Marktwert von DeepL auf 2 Milliarden US-Dollar gestiegen. Es ist damit das wertvollste KI-Start-up Deutschlands.

Auch das European Language Grid hat sich Display angeschaut. Das ist eine Austauschplattform für die mehr als 2.000 akademischen und kommerziellen Organisationen in Europa, die Sprachtechnologien entwickeln und einander hier Tools, Ressourcen und Dienstleistungen anbieten. Das Language Grid ist nach Einschätzung von Baratsits weitgehend auf den European Language Data Space übergegangen, einen von 14 gemeinsamen europäischen Datenräume, auf die wir noch zurückkommen.

Auf dem Display-Portal stolperte man immer wieder über Fehler. So hieß es im Englischen ‘Turkey’ statt ‘Türkiye’. Vieles ist in US-amerikanischem statt britischem Englisch. Im Deutschen gibt es Probleme mit dem Gendern. So befragte ein Interviewer den polnischen Arbeitsminister, der sich in Bild und Antwort als Ministerin zu erkennen gibt. An vielen Stellen sieht es so aus, als sei die automatische Übersetzung veröffentlicht worden, ohne dass sie sich jemanden noch einmal angesehen hätte.

Baratsits bestätigt den Eindruck: „Das ist anders nicht zu bewerkstelligen. Da braucht man einen Mut zum Fehler. Für ‘Standard Time’, eine chentliche Talkshow, die extra für Display produziert wird, haben wir die Finanzierung von Übersetzungen vorgesehen. Doch 15 Übersetzungen zu organisieren und die manuell einzubauen, ist ein erheblicher Aufwand.“ Wenn es nicht nur ein paar Beiträge in der Woche gibt, sondern Tausende, skaliere das nicht. CBA bekommt jetzt im Jahr ungefähr 10-15.000 neue Beiträge. Auf dem Repositorium von Display, dem ‘Repco’ (s.u.), liegen derzeit mehr als 224.000 Content Items. Das alles in 15 Sprachen zu übersetzen, würde den Rahmen sprengen. Die Kosten für die Dienste von DeepL wären nicht finanzierbar.

Daher arbeitet das Team daran, mithilfe von Open Source LLMs ein ambitioniertes eigenes System aufzubauen. Ziel ist eine sprach-unabhängige Suche. Noch wird dafür Englisch als Referenzsprache verwendet, weil das Sprachmodell damit am besten funktioniert. Video- und Audiodateien werden zunächst mit Whisper automatisiert transkribiert, damit Volltextsuche möglich wird. Der Ausgangstext wird mithilfe des selbst betriebenen LLM ins Englische übersetzt und das Ergebnis vektorisiert. Gibt eine Nutzerin in ihrer Sprache eine Frage oder einen Prompt ein, dann wird das auch ins Englische übersetzt und vektorisiert. Dann setzt nicht etwa eine Schlüsselwortsuche ein, die in derselben Sprache bliebe, sondern eine semantische Suche, die Ähnlichkeiten über Sprachgrenzen hinweg erkennt.

Derzeit wird der gesamte Datenbestand nach und nach ins Englische übersetzt. Sämtliche aus dem Projekt finanzierten Inhalte, Texte und Untertiteln werden dann in alle anderen 14 Zielsprachen übersetzt, föderierte Inhalte nur nach Bedarf. Dafür verwendet Display bislang noch DeepL, das 32 Sprachen beherrscht. Für die hier fehlenden, z.B. südslawischenSprachen greifen sie auf Google zurück, das mehr als 130 Sprachen anbietet. Eine Nutzerin kann dann in einer Sprache suchenund Inhalte in irgend einer anderen Sprache finden, die ihrwiederum in der Sprache angezeigt werden, in der siegesucht hat. Ingo Leindecker, der technischer Leiter von Display, ergänzt, dass Open Source LLMs, die auf eigenen Rechnern laufen, die Kosten etwa um den Faktor zehn senken würden. Dafür bräuchte es jedoch eine bessere Infrastruktur. Außerdem sei geplant, den Zwischenschritt über die Referenzsprache zu überwinden und auf Grundlage von Semantik eine Suche direkt in allen Sprachen zu erlauben.

„Ich glaube, das ist ein essentielles Feature für unseren Datenraum,“ so Baratsits. „Das ist wirklich was Neues. Auf Google Search bekommst du Inhalte angeboten in der Sprache, in der du suchst. Weil die Annahme ist, du bist nur interessiert an solchen Inhalten. Wir haben eine andere Annahme: dass es Interesse an pan-europäischen Inhalten gibt, die ggf. auch in einer anderen Sprache vorliegen. Wir sind sehr gespannt, wie wir die Infrastruktur aufbauen müssen, damit wir zeitnahe Ergebnisse liefern können, und wie wie sich das auf die Zugriffe auswirkt.“

Mit Open Audio Search haben CBA und das Software-Entwicklungs-Kollektiv arso bereits 2020 einen Prototyp umgesetzt. Auf der neuen Display-Site ist mit X-Language Search erstmals eine semantische sprachübergreifende Suche im Einsatz. Baratsits verwies auf vier neue freie LLMs, die allein in den letzten Wochen veröffentlich wurden. Die gilt es nun zu testen: Wie gut ist die Qualität der Übersetzung? Wie performant sind sie?

Bei KI-Tools will Display stets Open-Source-Modelle bevorzugen. In der nächsten Stufe ist die Erstellung von automatisierten Zusammenfassungen geplant. Heute bereits werden Metadaten automatisiert mit Normdaten (Namen, geografische Daten, Sachbegriffe usw.) angereichert. Ein weiteres Zukunftsthema ist es, Medieninhalte für bestimmte Zielgruppen mit regionalen oder anderen Merkmalen zu republiziert und sie automatisiert um Kontexte zu ergänzen, die sie für diese Publika attraktiver machen. Baratsits ist skeptisch was eine gesamteuropäische Öffentlichkeit angeht. „Der Illusion habe ich mich ohnedies von vornherein nicht hingegeben, dass sich jemand in Bulgarien ohne weiteres interessiert für Community Media Inhalte aus Portugal.“ Dafür brauche es weitere Anstrengungen, die aber mithilfe der Vielfalt an Tools, die jetzt zur Verfügung stehen, vielleicht erreicht werden können.

Baratsits ist zuversichtlich, dass sie diese neuen Funktionen relativ bald hinbekommen werden. Er sieht eher organisatorische als technische Fragen. Die rechtlichen, vor allem urheberrechtlichen Fragen seien letztlich bei den Partnern am besten aufgehoben. Sie werden entscheiden müssen, ob sie Übersetzungen, Zusammenfassungen, Volltexte in der Suche haben wollen, ob sie die Urheberrechte dafür von ihren Autor:innen einholen wollen.

Repco: der Datenraum hinter Display

Betrachtet man den Elefanten Display von der Infrastruktur-Perspektive her, dann wird als Kern des Projekts der Repco sichtbar. Repco steht für „Replication & Collector“ und bildet den Datenraum von Display. Inhalte, die die Medienpartner auf ihren Sites veröffentlichen, werden automatisiert in den Repco gezogen. Diese ‘Ingestion’ erfolgt über ein REST API, im Falle von PeerTube-Inhalten über Activity-Pub und in den meisten Fällen über RSS, was die niedrigste Zugangshürde für die Partner darstellt.

Die ebenfalls von CBA und arso entwickelte Plattform erlaubt den authentifizierten Austausch von Metadaten und Inhalten zwischen Herausgebern von Community-Medien. Der erste und bislang einzige Repco ist der von CBA. Der enthält derzeit 224.000 Content Items von 52 Datenquellen.

Schema des Datenraums hinter Display Europe: der Repco (Replication & Collector). Abfotografiert von Baratsits’ Folien.

Wie das Portal Display, so ist auch sein Repco als eine Instanz in einem dezentralen Netzwerk konzipiert. Andere können ihren eigenen Repco-Knotenbetreiben und entscheiden, welche Inhalte sie dort haben wollen und welche Moderationsregeln gelten. Auch das ist eine Föderierung: mehrere Anbieter, die interoperabel sind und die gegenseitig auf sich verweisen. Baratsits ist zuversichtlich, dass sich diese Architektur durchsetzen wird.

Ein Fediverse der Medien

Bei ‘Fediverse’ denkt man zunächst an soziale Mitmachplattformen. Nicht so bei Display. „Das Fediverse verstehen wir als Medienangebot und nicht als soziales Medium im dem Sinne, dass alle User Inhalte hochladen können,“ macht Baratsits klar. Eine Nutzerbeteiligung ist erst für die zweite Phase vorgesehen. Vielmehr ist das Ziel von Display, Medienanbieter miteinander zu föderieren, die sich auf verschiedenen Repcos ihre Inhalte anbieten.

An der Frage des Fediverse treffen wieder die beiden Kulturen aufeinander. Display betreibt zwar eine Mastodon-Instanz, doch das ist nicht so einfach.

„Die Techies aus dem Open Source Bereich hätten das jetzt schon geöffnet. Das kommt von ihnen, weil es geht und zack, haben sie es implementiert. Aber sie haben nicht darüber nachgedacht, ob es irgendjemanden gibt, der danach dafür sorgt, dass da was Sinnvolles passiert.

Umgekehrt haben sehr viele, die aus dem journalistischen Bereich kommen, in ihrer Arbeit diesen Open Source Schwerpunkt bisher nicht gehabt. Die müssen sich jetzt neue Tools aneignen, und die haben zum Teil auch ihre Macken. Da sind sie sehr ungeduldig. Auch die Erwartung, dass auf Mastodon die Menschen in Scharen unterwegs sind, hat sich noch nicht erfüllt.

Unsere Strategie für das Fediverse und Mastodon, da müssen wir noch dran arbeiten. Die Prozesse dafür sind jetzt noch nicht da. Das braucht Ressourcen, Leute, damit da was Sinnvolles passiert.“

Aber die Gesamtvision hin zu einer verteilten Alternative zu den Mega-Plattformen, die wird von allen mitgetragen? Baratsits verweist wieder auf die Spannung zwischen Portal und Datenraum, die seit Anbeginn auf allen Ebenen da war. „Ich glaube, viele sehen diese strukturelle Ebene nicht. Die ist denen zu abstrakt. Die wollen Audience haben, die sind journalistisch bewegt und die sehen das nicht.“ Das Fediverse wird bei Display zunächst als wertegestützter Datenraum verstanden.

Letztlich jedoch gelingt der Brückenschlag zwischen Techies und Journos – damals bei der Einführung von On-Demand-Plattformen und heute mit den deutlich komplexeren, dezentralen Architekturen:

„Die Idee der Föderierung an sich, die wird schon von allen mitgetragen. Wichtig dabei ist, dass wir nicht versuchen, von unseren Partnern Publikum wegzubekommen, sondern im Gegenteil, dass wir das zurückgeben, diese Social-Media-Richtung umkehren wollen. Das wird von allen unterstützt und als wichtig erachtet. Auch dass wir die technische Infrastruktur auf verteilte Schultern stellen, sodass nicht jeder sein eigenes Ding macht, das war für viele Neuland. Aber ich glaube, dass sich das schon relativ gut etabliert hat, einfach weil sich im konkreten Tun zeigt, was das für Benefits hat.

Ich glaube eigentlich schon fix daran, dass es immanente Incentives der ganzen Geschichte gibt, die dazu führen werden, davon bin ich überzeugt, dass das wachsen und auch bleiben wird. Wie schnell es geht, ob wir das Tempo hinbekommen, das wir eigentlich bräuchten, wird man sehen. Das wird auch davon abhängen, ob es politische Unterstützung dafür gibt.“

Partizipation: ‘User in the loop’

Im Internet und zumal im Fediverse bleibt natürlich die Erwartung, dass Nutzende sich beteiligen, sie Beiträge kommentieren und miteinander interagieren können. In der ersten Phase hat es dazu einige Ansätze gegeben.

Ein Partner war Europe Talks. Betrieben wird es von einer Ausgründung von „Die Zeit“, die jeweils Fragen stellt, z.B. ‘Sollten Inlandsflüge in allen europäischen Ländern verboten werden?’ und dann möglichst konträre Teilnehmende zu Zweiergesprächen zusammenführt, entweder online oder in physischen Begegnungen, die 2024 in Amsterdam, Berlin, Warschau und Madrid stattgefunden haben. Die Fragen sind auf dem Display-Portal in einem Widget eingeblendet worden. Die weitere Kommunikation hat dann auf der Site von Europe Talks stattgefunden.

Ein eigenes Format war der Artikelclub. Originäre, für Display erstellte Beiträge wurden monatlich vorgestellt und konnten mit den Journalist:innen diskutiert werden. Baratsits erinnert sich, dass die Ideen mehrfach diskutiert wurde und vermutete, dass sie auch tatsächlich in Form von Videokonferenzen umgesetzt wurde, war aber selber nicht daran beteiligt.

Eine weitergehende Nutzerbeteiligung ist in der ersten Phase bewußt zurückgestellt und für die nächste Ausbaustufe vorgesehen worden. Baratsits betont noch einmal, dass Display Europe nicht als Social Media Plattform gedacht war und es vermutlich auch nicht wird. Er ist hier vor allem von Sorge über die Moderation getrieben. Die sei für Display Ressourcen-mässig nur schwer zu stemmen und noch schwieriger zu skalieren.

Unter dem Stichwort ‘User im Loop’ wird u.a. über Kennzeichnungsmöglichkeiten nachgedacht. Lesende sollen eingeladen werden, unerwünschte Inhalte und Fehler zu markieren. Das wäre in verschiedener Hinsicht nützlich, doch, so Baratsits, auch diese Vorschläge müssen von jemandem überprüft werden. Ein Vorbild sieht er in der Community-Moderation der Wikipedia, doch eine vergleichbare Selbstorganisation für Display hinzubekommen, ist eine Herausforderung für sich. Das neue Newsfeed-Design biete einfache Möglichkeiten, Feedback einzuholen.

Bei den Kommentaren stehe die Frage im Vordergrund, wie man ein konstruktives Debattenklima schafft. Dazu hat sich das Display-Team mit Kolleg:innen von Der Standard getroffen, dessen Forum führend ist im deutschsprachigen Raum. Deren Empfehlung war, nach Themen zu schauen, zu denen es bereits Menschen gibt, die sich engagieren und ein Diskussionsbedürfnis haben. „Wir würden natürlich Diskussionen zu pan-europäischen Themen fördern wollen, weil das ist in unserer DNA. Da muss man schauen, wie wir da Projekte aufsetzen und einen konstruktiven Diskurs organisieren können. Wie das am besten geht, dafür sind wir noch nicht schlau genug.“

Leindecker ergänzt, dass das Team von klassischen Kommentarfunktionen oder Foren bereits abgekommen sei. “Wahrscheinlich müssen wir kreativere Wege finden, wie wir User-Interaktionen und Diskursbeteiligung starten können.“ Die Diskussion über Partizipationsmöglichkeiten in der zweiten Phase habe gerade erst begonnen. Baratsits erwartet, das im Herbst deutlicher ist, wie das Team damit umgeht.

Inhalte: originale und kuratierte

Es gibt zwei Arten von Inhalten auf Display Europe. Das sind zum einen Originals, Beiträge, die aus dem Projekt finanziert sind. Dazu gehört das Flaggschiff Standard Time“, die wöchentliche Talkshow von Réka Kinga Papp, Chefredakteurin von Eurozine (zur Geschichte dieses 1983 gegründeten europäischen Netzwerks von heute mehr als 90 Kulturzeitschriften siehe What has the internet ever done for us? Standard Time talk show S1E12).

Dazu gehören auch eingeworbene Beiträge, die in zwei Förderlinien ausgeschrieben und von einer Jury entschieden wurden. Sieben Förderungen in Höhe von 12.000 € wurden vergeben sowie etwa 20 Micro-Grants von 2.000 €, jeweils für Projekte von Journalist:innen aus mindestens drei europäischen Ländern. Die Förderungen sind Teil eines Workpackages gewesen, das ECF und Hostwriter betreut haben. In der zweiten Phase wird es weitere Mittel für die Produktion von eigenen Inhalten geben, jedoch keine weiteren Ausschreibungen.

Die journalistischen Partner kamen vor allem aus dem ECF-Netzwerk, wobei CBA und Eurozine auch vorher schon Kontakt hatten. Eurozine hat Krytyka Polityczna in Warschau für das Netzwerk vorgeschlagen. Voxeurop produziert Presseschauen, um ein Meinungsspektrum über Medien und Länder hinweg aufzuzeigen. Für die zweite Phase plant der niederländische Konsortialpartner Public Spaces ein monatliches Programm, die „Public Values Internet Show“.

Dem Copyleft Geist folgend, sind die für Display Europe erstellten Originale unter Creative Commons BY lizenziert, dürfen also umfassend weiterverwendet werden, sofern die Urheberin genannt wird (Display: Copleft).

Die zweite Art sind föderierte Inhalte aus dem Inhalte-Netzwerk von Display. Inhalte-Partner sind entweder journalistische Outlets wie Eurozine und Okto-TV in Wien oder Host Provider von Medieninhalten. Bei letzteren handelt es sich um Aggregatoren wie CBA, eine serbische Podcasting-Plattform und XRCB in Spanien. Sowohl originäre wie föderierte Inhalte werden in den Repco aufgenommen, der derzeit mehr als 224.000 Content Items von 52 Quellen enthält. Wer im Netzwerk dabei sein will, muss sich entweder dem Kriterienkatalog der Journalist Trust Initiative (JTI) unterstellen oder einem vergleichbaren nationalen Framwork.

Doch warum sollten Medienpartnern ihre Inhalte einbringen? Posts auf Social Media ersetzen meist den Klick auf die Site des Anbieters. Dagegen plant Display ein anderes Modell von Syndizierung: Die Suche führt nicht nur auf Inhalte auf dem eigenen Portal, sondern auch direkt zur Quelle auf der Plattform, wo der Inhalt ursprünglich veröffentlicht wurde. Die Idee ist eine Art nicht-pekuniäres Kreditsystem: Ein Portal, das einem Partner Traffic verschafft, bekommt dafür ‘Kredit’, mit dem es Inhalte eintauschen kann. Aber auch eine entgeltliche Republikation von Medieninhalten ist vorstellbar.Mit einer Zunahme des Traffics wird schon allein deshalb gerechnet, weil die Inhalte breiter und einfacher auffindbar sind. So etwas haben sich die Medienpartner stark gewünscht. In Phase 2 gibt es ein eigenes Arbeitspaket dazu.

Die Europawahlen waren ein ureigenstes Thema zum Ende der ersten Phase von Display. Es bot die Möglichkeit, verschiedene Blickwinkel abzubilden. Hier steht die Analyse noch aus, wie europäische Vielfalt dargestellt werden kann.

Nachrichten gibt es auf Display nicht. Für einen Newsroom mit tagesaktueller Berichterstattung gibt es keine Ressourcen. Aber die Nachrichtenagentur Reuters, die ein End-User-Angebot mit Videos betreibt, hat Interesse an einer Zusammenarbeit signalisiert.

Eine Nutzungsmessung ist auch erst für die zweite Phase angedacht. Daher kann Baratsits noch nicht sagen, welche Inhalte auf Display besonders beliebt sind.

Ein Schwerpunkt auf Ost-Europa hat sich organisch entwickelt. Eurozine mit einer ungarischen Chefredakteurinist ein europäisches Netzwerk, das stark im Westen verankert ist, aber immer schon eine Ost-Komponenten hatte. Auch Displays Heimatland Österreich orientiert sich historisch stark auf Osteuropa.

Daran wird deutlich, wie wichtig es ist, ein europaweites multilinguales Portal für End-Nutzer bereitzustellen. Es hilft nichts, wenn im Datenraum für Ungarn relevante Informationen liegen, selbst auf Ungarisch, wenn es in Ungarn keinen Partner gibt, der ein Portal anbietet. Das Mediensystem eines Landes kann kippen. Die öffentlich-rechtlichen Medien stehen nicht nur in Ungarn oder Polen unterDruck, sondern auch in der Slowakei und in Finnland und möglicherweise in den Niederlanden oder auch Österreich.Ein mehrsprachiges europaweites Portal ist nicht zuletzt eine Antwort auf eine persönliche Erfahrung, sagt Baratsits.

„Ich bin nicht stolz drauf, aber Österreich war das erste Land, wo im Jahr 2000 eine rechtspopulistische Regierung [eine Koalition der ÖVP mit der rechtsextremen FPÖ] an die Macht kam. Was haben wir gesehen? Erstens, die haben uns als Public Access Radio sofort das Geld abgedreht.Und zweitenshaben sie den öffentlich-rechtlichen Rundfunk umorganisiert. Sie haben eine Stiftung draus gemacht, das ganze Management ausgewechselt und umgebaut, so wie sie das haben wollten.

Damals sind viele öffentliche Einrichtungen, die uns nicht besonders unterstützt haben, zu uns gekommen und haben gesagt: ‘Das ist ja Wahnsinn. Ihr müsst was tun! Wir sind eine öffentliche Einrichtung. Das sind jetzt unsere Chefs. Wir können nicht.’

Das Lehrbuch hat viele Nachahmer gefunden. Es ist auch damals nicht ganz neu gewesen, aber die waren völlig nonchalant in dieser Angelegenheit. Das kann überall passieren.

Aus Deutschland kam jetzt viel Widerstand von den Verlegern gegen den European Media Freedom Act. Die Deutschen glauben, das kann ihnen nicht passieren. Ganz ehrlich: da ist niemand gefeit davor. Die Demokratie muss verteidigt werden und wer glaubt, auf der Insel der Seligen zu leben, der täuscht sich. Wir dürfen uns nicht darauf verlassen, dass wir die Öffentlich-Rechtlichen haben, die unsere Demokratie retten werden!“

Von Community-Redakteur:innen zum Empfehlungsalgorithmus

Was auf dem Portal als Volltext mit Übersetzung erscheint, muss derzeit von Community-Redakteur:innen manuell aus dem Repco geholt und eingepflegt werden. Die Redaktionen der Medien-Partner tragen in einen Kalender ein, wann welche Beiträge erscheinen werden. Außerdem gibt es einen Newsletter mit zweiwöchentlichen Vorankündigungen. Dieses Verfahren soll in der zweiten Phase durch ein Vorschlagssystem ersetzt werden, das automatisiert Inhalte aus dem Repco im Newsfeed repräsentiert.

Empfehlungsalgorithmen, die der Werbeoptimierung dienen, sind ein Hauptgrund für die toxische Kultur auf den Megaplattformen. Hier insbesondere wird sich die Alternative beweisen müssen.

Baratsits sieht zwei Denkrichtungen. Zum einen machen Recommender Vorschläge für Beiträge, die jemanden offensichtlich interessieren. Zum anderen sollen sie gerade konträre, andere Meinungen in Filterblasen spielen. Letzteres hält er für unbegründet und bevormundend. Gleichwohl soll auch Sentiment Analysis getestet werden, die es erlauben würde, nach einer positiven Äußerung zu einem Thema eine negative vorzuschlagen. Gewiss ist allein, dass es technische Unterstützung braucht, um die Umengen an verfügbarer Informationen zu bewältigen.

Auch hier müsse man mehr Erfahrung sammeln, um tiefer einsteigen zu können. Tatsächlich hat das Team bereits einen Prototypen für die Österreichische Arbeiterkammer entwickelt. In dem Empfehlungssystem kann man ankreuzen, dass man sich für arbeitsrelevante Themen interessiert. Dem liegt eine Wissensbasis zugrunde, für die auch der Bestand von CBA bereits aufbereitet ist. Auch hier spielt die Fediverse-Idee eine Rolle: mit offenen APIs kann jemand anderes eine eigene Wissensbasis zu anderen Themen anbieten.

Für eine sinnvolle Personalisierung braucht es aber weitere Daten: über die eigene Historie und über die von Peers, also Menschen mit ähnlichen Interessen: wer hat wann welchen Inhalt rezipiert und was ist darauf gefolgt? Das berührt Datenschutzfragen, und wenn es um Gewerkschaften und Schlüsse auf politische Haltungen geht, ist man schnell im besonders sensiblen Bereich der DSGVO.

CTO Leindecker verweist auf eine Kooperation mit einem Projekt an der TU Wien namens ‘FAIR By Design’. Dabei geht es einerseits darum, wie man Bias und Diskriminierung in Algorithmen vermeiden und andererseits Daten möglichst schonend personalisieren kann. Ein umfassendes Profiling, wie es die Big-Tech-Plattformen zur Maximierung ihres Profits betreiben, werde es bei Display nicht geben.

Auch ganz ohne Personalisierung seien Empfehlungen möglich, die auf Inhalte-Ähnlichkeit und Kontext abstellen, sowie auf anonymisierte Daten aus dem collaborative filtering, also was andere Personen sich wie lange angeschaut haben, nachdem sie einen bestimmten Inhalt rezipiert haben. Diese Daten erlauben keinerlei Rückschlüsse auf einzelne Personen.

Andererseits gebe es Gründe dafür, einen Bias in den Algorithmus einzuführen, z.B. wenn er nach Popularität sortieren soll. Technikchef Leindecker erläutert:

„Solche Dinge, von denen wir wissen, dass sie den Algorithmus verfälschen, wollen wir zu einer bewussten User-Entscheidung machen. Über das Interface-Design kann man kommuniziert, wie der Algorithmus funktioniert und welche Eingriffsmöglichkeiten man hat. Transparenz steht ganz oben. Der User soll die Kontrolle haben über die Personalisierung. Die Personalisierung soll jederzeit deaktivierbar sein, du sollst deine Such-Historie selber löschen, Interessen hinzufügen und wieder entfernen können. Und auch die Datenübertragung auf andere Plattformen ist natürlich ein rein optionales Angebot. Die Informationen werden dabei natürlich verschlüsselt übertragen und so weit wie möglich anonymisiert oder pseudonymisiert, je nachdem, was in der Situation möglich ist. Das erfordert die Zustimmung der Benutzenden, die sich natürlich auch dagegen entscheiden können. Das soll wirklich in der vollen Kontrolle des Nutzers bleiben.“

Urheberrecht: ein Standortnachteil für Europa?

CBA ist in der Zeit entstanden, als alle über Peer-to-Peer Netze wie Napster und BitTorrent fröhlich tauschten und die wenigsten sich um Urheberrecht Gedanken machten. Ohne diese Unbekümmertheit wären Dienste wie CBA gar nicht entstanden, denn die meisten dort archivierten Sendungen enthalten Musik. Selbst wenn CBA Vergütungen hätten zahlen wollen, war das nicht möglich, bis schließlich die Verwertungsgesellschaften nach Jahren Online-Tarife aufgestellt haben.

Heute ist die Urheberrechtsfrage wieder virulent bei Übersetzungen, Zusammenfassungen, Volltextsuche und bei der Nutzung der Archive als Trainingsdaten für LLMs.

Der Jurist Baratsits betont, dass Display diese Fragen brav und rechtlich geordnet handhaben will. Journalisten brauchen eine faire Vergütung für ihre Arbeit. Zugleich schimpft er wie ein Rohrspatz: „Das Urheberrecht darf nicht dazu verwendet werden, den Zugang zu Information zu versperren. Nach meiner Analyse hat Big Tech in den USA auch deshalb so einen Vorsprung, weil wir in Europa so herumgeschissen haben mit dem Urheberrecht. Das hat uns Jahre gekostet.“ Der flexible Rahmen des Fair Use in den USA dagegen haben Suchmaschinen, Clouddienste und KI-Anwendungen möglich gemacht. Die strengen Regeln in Europa würden uns auch heute wieder Jahre kosten. „Wenn Inhalte öffentlich finanziert sind wie bei öffentlich-rechtlichen Sendern, dann müssen sie auch offen zugänglich sein.“

Organisation: eine Genossenschaft

Noch firmiert Display Europe laut Impressum c/o OKTO.TV. Die Display Europe Genossenschaft befinde sich im Gründung. Tatsächlich wurde sie von der Kerngruppe hinter Display am 9. Oktober 2023 mit Sitz in Wien gegründet und im Februar 2024 eingetragen, rechtzeitig, um als Mitantragstellerin für die zweite EU-Förderperiode aufzutreten.

Anfang Juni fand die Generalversammlung in Madrid statt. Dabei ging es um Satzungsänderungen, die Verabschiedung einer Geschäftsordnung für den Aufsichtsrat, der seit der Gründung monatlich tagt, und um Mitgliederanwerbung. Aber auch über das neue Site-Design und die Schnittstellen zwischen Editorial und Technik wurde gesprochen. Für letzteres ist im Jänner eine Product Management Working Group gegründet worden, die das neue Design entwickelt hat.

Zu den Zielen der Genossenschaft gehört die „Entwicklung von nachhaltigen Finanzierungsmodellen, einschließlich Abonnementoptionen und Syndizierung“ (Display Europe Genossenschaft).

Die Infrastruktur von Portal und Repco ermöglicht es Medienanbietern, eigene Knoten zu betreiben, mit ihren jeweiligen Schwerpunkten und Finanzierungsmodellen. Hier ist an eine Mischung gedacht aus öffentlicher und philanthropischer Finanzierung, durch Nutzer, Abonnements, Mitgliedschaften oder Spenden. Da die Suche eine Weiterleitung an die Originalquelle bewirkt, können hier auch Bezahlinhalte präsentiert werden. Auch Syndizierung ist möglich, also die bezahlte Zweitpublikation von Beiträgen.

Eine andere Frage ist die Finanzierung der Display Genossenschaft. Dazu hat sich das Team verschiedene Modelle angeschaut. So hat die Taz-Genossenschaft mehr als 23.000 Mitglieder, dank derer sie eine substanzielles Eigenkapital aufbauen konnte. Auch in Spanien gibt es eine starke kooperative Bewegung, die einen ähnlichen Zugang verfolgt. Daneben wird auch die Beantragung weiterer EU-Projektmittel angestrebt.

Im Juli mit dem Budget für die zweite Phase wird der Betrieb von CBA und Repco auf die Genossenschaft übertragen. Damit kann die Display Genossenschaft, wie zuvor CBA, die Entwicklung und den Betrieb der Infrastruktur als Dienstleistung versorgen und sich für Hosting, Software-Entwicklung und Implementierung von ihren Kunden, den Medienanbietern, bezahlen lassen.

Der Relaunch des Portals: Mobile First Feed und Pläne für Phase 2

Im Überschwang des beginnenden Projekts haben sich auf der Display-Site Funktionen und Versprechen angelagert, von denen noch nicht klar war, wie sie verwendet werden. Ziel des neuen Designs zum Beginn des zweiten Projektjahres ist es, Ballast abzuwerfen und die Site klarer und ruhiger zu gestalten. Das ursprüngliche Design ist hier noch zu sehen.

Das neu gelaunchte Portal ist am vergangenen Donnerstag in Brüssel vor EP-Abgeordneten, Kommissionsmitgliedern und zivilgesellschaftlichen Akteuren vorgestellt worden – mit einer extra Portion Adrenalin, denn kurz vorher fiel in Linz, wo ein Teil der Display-Server steht, der Strom aus. Es ist ganz auf mobile Geräte ausgelegt und bietet einen endlos scroll-baren Feed von Beiträgen. 15 Quellen werden aufgeführt. Darunter gleichwertig Display Europe, das auf dem eigenen Portal jedoch die eigenen Beiträge gegenüber den föderierten Inhalten priorisiert. Damit die selbst-produzierten Inhalte an erster Stelle im Feed stehen, musste jetzt noch die Redaktion eingreifen.

Neben der normalen Suche findet sich links unten ein Link auf „X-Language Search“, die noch experimentelle sprachunabhängige Suche. Die war in der Projektausschreibung gar nicht gefordert und ist derzeit noch ein Proof-of-Concept, wird von Display aber als Schlüsselelement zur Überwindung der Sprachbarriere gesehen. Ein weiteres Novum ist der Spenden-Button.

Darüber befindet sich ein noch nicht funktionaler Link auf „Account“. Der wird aktiviert, sobald die Pläne für die Personalisierung ausgearbeitet sind. Ziel sei es, erläutert CTO Leindecker, die manuell kuratierte Auswahl gänzlich durch die personalisierten Empfehlungen eines Algorithmus zu ersetzen. Für vernünftige Vorschläge brauche es jedoch eine gewisse Datensammlung und dafür wiederum Anreize, dass Nutzende sich anmelden und der Sammlung von Daten zustimmen.

Eine zentrale Diskussion für die zweite Phase, erläutert Leindecker, ist die Ausgestaltung des Algorithmus. Der solle natürlich auf datenschutzfreundlicher Basis funktionieren und möglichst frei von Diskriminierung und Bias sein. In Zukunft solle gar nicht mehr händisch in die Auswahl und Platzierung von Beiträgen eingegriffen werden, weder im Feed, noch in den Empfehlungen unter einem Beitrag, noch in der Suche. Alles werde gleich behandelt von einem Algorithmus, der sich personalisiert an den Interessen des Users orientiert. Das müsse gleichwohl unter redaktioneller Begleitung geschehen. Dann aber stelle sich die Frage, wie redaktionelle Entscheidungen dem Algorithmus bestimmte Tendenzen einschreiben können, der dann gewisse Themen oder Aktuelles in den Vordergrund rückt.

Für die Zukunft gibt es weitere Pläne. Baratsits nennt ein API zu Fact-Checking-Plattformen, warnt aber zugleich vor zu großen Erwartungen. Die Datenwissenschaften seien noch weit davon entfernt, Desinformation technisch zuverlässig erkennen zu können. Was bereits markiert worden ist, könne aber über Datenbanken abgeglichen werden. Ein weiteres Projekt ist es, die die Provenienz von Beiträgen kryptographisch sicherzustellen.

Als Schwerpunkte für den Start in die zweite Phase sei jedoch beschlossen worden, mehr Content auf die Plattform zu bekommen. Erst dann können man sich um mehr Publikum kümmern. Denn ohne interessante Inhalte käme das nur einmal und nie wieder. Ohne Publikum stelle sich auch die Frage nach Kommentaren und deren Moderation nicht. „Wir wollen jetzt den Fokus drauf legen, dass wir den Data Space hochziehen,“ sagt Baratsits, „und dass wir die Netzwerkpartner an Bord bekommen. Wir haben eine ‘50 Nodes Kampagne’, an der wir intensiv arbeiten. Ich glaube, das werden wir auch schaffen.“ Angefangen hat Display mit 13 Medienpartnern. Über die Ausschreibungen sind weitere 30 Partner hinzugekommen. Die 50 Partner wurden inzwischen bereits erreicht.

Sławek Blich, der stellvertretende Chefredakteur von Krytyka Polityczna und neue Leiter des redaktionelle Produktteams von Display, sieht seine Aufgabe in einer Fortsetzung der bisherigen redaktionellen Strategie: Einerseits werde es weiter eigens für Display produzierte Inhalte geben: „ein Spektrum von Beiträgen im öffentlichem Interesse, die von professionellen, gut ausgestatteten und erfahrenen Medienunternehmen aus dem vielfältigen und wachsenden Netzwerk europäischer Partner produziert werden. Display wird hier die Rolle eines Kurators und Geldgebers spielen, aber nicht die einer Nachrichtenredaktion per se.“ Zum anderen soll das Netzwerk föderierter Partner ausgebaut werden. „Für sie werden wir eine einfach zu handhabende Lösung entwickeln, mit der ihre Inhalte syndiziert, entdeckt, gesucht, empfohlen, mit KI für internationale Zielgruppen kontextualisiert und in mehrere europäische Sprachen übersetzt werden können. Und das Beste daran,“ so Blich. „Der Traffic kommt zurück auf die Website der Partner und diese erhalten Zugang zu einem ganz neuen Publikum, das sie sonst nie finden würde.“

Bei der Präsentation in Brüssel war auch der Council for European Public Space beteiligt, der unabhängig ist von Display Europe, das Projekt aber von Beginn an begleitet hat und von der ECF beauftragt wurde, seine Evaluation vorzunehmen. Der Council unter Leitung von Matthias Pfeffer ist vernetzt mit öffentlich-rechtlichen Medien und ausgerichtet auf Politikberatung und Advocacy. Vergangene Woche stellte Pfeffer zwei Vorschläge vor. Zum einen solle das Europäische Parlament eine “Interfraktionelle Arbeitsgruppe für die europäische Öffentlichkeit“ schaffen. Der andere ist ein „10 Punkteplan“ für eine europäische TV und Video Nachrichten Plattform, für die die öffentlich-rechtlichen Sender ihre Inhalte bereitstellen, die dann automatisiert in die anderen europäischen Sprachen übersetzt werden sollen.

Von Display zum Trusted European Media Data Space (TEMS)

Während Display seinen eigenen Datenraum ausbaut, ist es bereits Teil eines europäischen. Um einen Binnenmarkt für Daten zu starten, hat die EU neben Regulierung (dem Daten-Governance-Gesetz und dem Datengesetz) den Aufbau von 14 gemeinsamen europäischen Datenräumen auf den Weg gebracht – für die Sektoren Landwirtschaft und Kulturerbe, Grüner Deal und Gesundheit, Mobilität und Öffentliche Verwaltung usw. Den European Language Data Space haben wir bereits angesprochen. Der gemeinsame Datenraum des Mediensektors ist der Trusted European Media Data Space (TEMS). Sie alle haben eine ähnliche Struktur, um sie interoperabel zu machen, und werden von einem Data Spaces Support Centre unterstützt.

Die von der EU initiierten 14 gemeinsamen europäischen Datenräume. Abfotografiert von Verbaeres Folien.

Display sitzt im TEMS neben Schwergewichten wie AFP, EBU, DPA und Orange, etwa 40 Partnern, von Verlagen bis zu Technologiefirmen. TEMS ist im Oktober 2023 gestartet und betreibt derzeit acht Pilotprojekte, darunter zu Nachrichten und Faktenchecks, Personalisierung und Empfehlungen, Produktion und Rechtemanagement, Syndizierung sowie 3D und VR.

Vier der acht Projekte von TEMS. Display Europe ist an Syndizierung beteiligt. Abfotografiert von Verbaeres Folien.

TEMS sei ein riesiger Tanker, sagt Baratsits. Für alles müssen erst Anforderungen und Spezifikationen geschrieben werden. Display dagegen ist eine relativ kleine, agile Einheit. Das sei nicht nur zum Nachteil. Den Proof-of-Concept für eine sprachübergreifende Suche habe das Team innerhalb von wenigen Wochen entwickelt. Andererseits setzte die Ressourcenlage auch Grenzen. Noch ist die neue Suche ein Proof-of-Concept, der zeigt, was möglich ist. Bis zum Praxiseinsatz brauche es jedoch weitere Entwicklungsarbeiten und damit zusätzliche Mittel.

Der Trusted European Media Data Space (TEMS). Abfotografiert von Verbaeres Folien.

Im TEMS zeichnet sich ein weiterer Kultur-Clash ab: freie Inhalte und Software gegenüber proprietären Modellen. Die EBU etwa möchte ihre Sprach- und Empfehlungstechnologie im Datenraum unter einer proprietären Lizenz anbieten. Demgegnüber kann die sprachübergreifende Suche von Display frei genutzt werden.

Das Display-Team will seine Arbeit weiter vorantreiben. Dafür hat es sich auf die EU-Ausschreibung für ein „an Bürger*innen gerichtetes TV- und Video-News-Portal“ beworben. Dabei geht es vor allem um die Untertitelung von Nachrichten und Dokumentarfilmen in mehreren europäischen Sprachen sowie die Aggregierung, Suche, Prüfung, Entdeckung und Empfehlung von Inhalten basierend auf europäischen Werten. Ein öffentlich-rechtlicher Sender aus Slovenien ist schon dabei, das belgische RTBF und Arte haben ihr Interesse bekundet.

Eine Idee, die Display hier entwickeln möchte, ist eine föderierte Personalisierung: Die teilnehmenden Plattformen können, – natürlich datenschutzfreundlich –, Nutzerdaten untereinander austauschen, sodass der Nutzerin aufgrund ihrer eigenen Suchhistorie oder ihrer Interessen platformübergreifend personalisierte Vorschläge angeboten werden können. Ein Zuschlag wäre ein wichtiger Schritt um sicherzustellen, dass die Arbeit von Display auch über das Ende des aktuellen Projekts im Juni 2025 weitergeht.

In der Frage, ob Display Europe ein Medium mit eigener Herausgeberschaft oder eine Aggregatorinfrastruktur ist, sieht Leindecker die Entscheidung gefallen: „Letztlich haben wir uns für den Aggregator entschieden, auch aus pragmatischen Gründen, einfach weil der Betrieb eines Newsrooms im Rahmen des aktuellen Projekts finanziell nicht leistbar ist.“ Einen Streit zwischen zwei Kulturen sieht er nicht. Zum einen habe die Zusammensetzung des Konsortiums zu unterschiedlichen Erwartungen geführt: Einerseits die Partnermedien, die die journalistischen Inhalte in den Vordergrund stellen, andererseits diejenigen, die den Infrastrukturansatz verfolgen. Zum anderen sieht er es schon als Architekturfehler des Projekts, dass zu lange unklar war, in welche Richtung es gehen soll. Realistisch gesehen erlaube das Fördervolumen nicht den Aufbau einer pan-europäischen Redaktion. Die technische Infrastruktur für Mehrsprachigkeit dagegen war in der Ausschreibung ausdrücklich gefordert.

Auch Blich sieht hier keinen Konflikt. „Außerdem glaube ich nicht, dass es in Europa einen besonderen Mangel an qualitativ hochwertigen transnationalen Medien gibt, und wir haben auch nicht vor, ein weiteres zu schaffen. Was der EU fehlt, ist ein gemeinsamer digitaler Markt und sozialer Medienraum, in dem sich die Medien entfalten und die nationalen Grenzen leichter überwinden können. Ich sehe Display als Marktvermittler im Dienst der Öffentlichkeit, der sowohl dem europäischen Publikum als auch dem Mediensektor zugute kommt.“

Die TEMS-Koalition erlaubt im besten Fall, das bisher Erarbeitete auf ein Niveau zu heben, das die Möglichkeiten der Zivilgesellschaft überschreitet: eine europäische Medieninfrastruktur, die Eurovision der EBU gleicht. Viele kennen das nur vom ESC. Tatsächlich ist es ein Netzwerk aus Satelliten, Kabeln, Standards und Vereinbarungen, über das die EBU-Mitglieder Nachrichten, Musik und Podcasts austauschen. „Die Technologie steht ja zur Verfügung,“ betont Baratsits. „Im Prinzip kann jeder eine Instanz hinstellen und dann bestimmen, welche Inhalt dort im Newsfeed-Format mit den jeweils gewünschten Features angeboten werden. Das könnte, ein Netzwerk für europäische Medien werden, ein Standard, der föderiert ist und gewissen Quality-Checks garantiert und den Bedarf nach vertrauenswürdigen Informationen decken kann.“

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