Das Känguru hat uns auf dem #39C3 erklärt, dass jeder erste Sonntag im Monat digitaler Unabhängigkeitstag (#did) ist. Heute ist seither der erste erste Sonntag im Monat, und bei digitaler Unabhängigkeit bin ich natürlich gern dabei.
Nur, bei den Empfehlungen Firefox, Mastodon und unabhängige Email bin ich schon. Mir geht’s weniger drum, auf die gute Seite zu wechseln, als Altlasten auf der bösen aufzuräumen.
Heute z.B.: Facebook.
Hab ich damals benutzt, als ich und das Internet noch klein waren. Und beim Projekt Videos für Wikipedia Artikel. Heute nerven die Nudging-Mails, dass irgendjemand da was gepostet hat, nur noch. Ich habe keinerlei Bedürfnis nachzuschauen, was sich hinter den Teasern verbirgt.
Also: Time to leave.
1. Schritt: ich duckduckgoe nach “facebook account löschen” und erhalte Hilfsangebote von Chip, Verbraucherzentrale, Heise, GMX, Ionos, Handelsblatt, Wirtschaftswoche usw. Wie’s scheint, haben viele den Bedarf, ihre Clientel über diese Frage aufzuklären. Ein gutes Zeichen.
2. Der zweite Treffer geht auf eine Facebook-Seite mit dem Titel “Dein Facebook-Konto dauerhaft löschen”
Ja, ich habe meine Daten bereits runtergeladen und, nein, ich möchte keine Pause von Facebook einlegen und mein Konto nur vorübergehend deaktivieren. Dann klärt mich Facebook über die schlimmen Dinge auf, die passieren, wenn ich mein Konto dauerhaft lösche. U.a. funktioniert das Login für andere Apps nicht mehr, “bei denen du dich mit deinem Facebook-Konto registriert hast.” Der größten Schreckensvision – “Du kannst dein Konto dann nicht mehr reaktivieren” – wird am Ende der Seite die Luft rausgelassen: man kann die Löschung eines Facebook-Kontos innerhalb von 30 Tagen stornieren.
Aber immerhin finden sich hier auch Instruktionen für zwei Wege, wie ich mein Konto dauerhaft löschen kann. Schritt für Schritt.
3. Ich wähle den ersten Weg. Dafür muss ich mich erstmal einloggen.
4. Geburtsdatum bitte nicht ernst nehmen.
5. Und endlich taucht der Menüpunkt “Löschen” auf.
6. Doch bis dahin sind es noch viele Schritte.
7. Ja, ich will das Konto löschen, mit dem ich eingeloggt bin.
8. Ja, wirklich löschen.
9. Genau das.
10. Nein, ihr könnt mir nicht noch auf dem Weg raus Daten abziehen.
11. Und noch ein Menü, das mich nudgt, es mir doch noch einmal zu überlegen.
12. Ich bin zwar mit meinem Passwort eingeloggt, aber hey, vielleicht hab ich den Laptop offen gelassen mit dem Browser eingeloggt in Facebook, bin ein Bier holen, während jemand mir mein Konto löscht. Könnte ja sein…
13. Ja, bitte, verdammt nochmal, wirklich, echt!
Und dann der spannende Moment. Ich hab das tatsächlich schon mal versucht. Und da kam als nächstes:
Ohne Witz. Ich hatte schon den Verdacht, das sei kein Bug, sondern ein Feature und Facebook will mich einfach nicht gehen lassen. Aber…
Tatsächlich kam nach “Konto löschen” – nach 13 Schritten in die Freiheit – die Facebook-Startseite. Ein erneuter Login-Versuch bestätigt, … nein, nicht, dass mein Konto endlich gelöscht ist, sondern, dass die einmonatige Bedenkzeit eingeleitet wurde, nach der es dann endlich soweit sein wird.
Sie machen’s einem schwer, aber, hey, es gibt (bald) ein Konto weniger auf diesem US-amerikanischen Netzwerk von Mark Zuckerberg. Daher würde ich meinen ersten digitalen D-Day als Erfolg verbuchen. Vorwärts zu einem “Post-Amerikanischen” Internet (Cory Doctorow auf dem 39C3).
<Das Cover-Bild zeigt Marc-Uwe Kling und Linus Neumann auf dem 39C3.>












